Ein Juwel umgeben von Feldern und Weiden
Scheinbar endlos zieht sich der Weg durch die wellige grüne Landschaft der Normandie. Von der berühmten Abtei ist weit und breit nichts zu sehen. Im Hintergrund ragen noch immer die Türme der Kathedrale von Bayeux über die Hügel. Durch Eichenwäldchen, vorbei an reifenden Getreidefeldern, unter dem wolkenverhangenem Himmel des Atlantiks auf schattigen Alleen surren eintönig die Fahrradreifen. Beinahe hat das Wirken des Wetters schon die schwarze Farbe der Schrift auf dem Schild weggewaschen. Nur noch gräuliche Buchstaben verkünden auf der Hinweistafel das Ziel die nahe Abtei. Eine Kreuzung später geben die Alleebäume endlich den Blick frei auf Juaye-Mondaye und seine Prämonstratenser-Abtei.

Weisse Rosen säumen den Weg
Die warnende Nachricht des Priors im Voraus liess Schlechtes erahnen. Der Garten sei nicht mehr in dem Zustand, wie er sein sollte, kündigte er an. Ein Blick gen Himmel sorgte für den nächsten Dämpfer. Mein Optimismus wurde einer strengen Prüfung unterzogen. Schon den gesamten Tag verdunkelten Schichten grauer Regenwolken den Himmel. Nun lassen sie ihre ersten dicken Tropfen fallen. Nur noch wenige Löcher in der Wolkendecke nähren einen Rest Hoffnung auf ein paar wenige Sonnenstrahlen. Soll am Ende der Weg nach Mondaye vergeblich gewesen sein? Ich wäre allerdings nicht in der Normandie, und hätte die Rechnung ohne das bretonische Wetter gemacht. Kleine Wunder geschehen rund um die Uhr. So öffnet sich dann plötzlich doch noch der Himmel, und die Lücke in der Mauer gibt den Blick frei auf einen traumhaft schönen Ort. Nur ganz kurz lässt die Sonne den Klostergarten der Abtei in all seiner Pracht erstrahlen.





Dieser eine Garten, in dem sich alles vereint. Strahlende Schönheit und Pracht, einladend zum Ruhen und kontemplativen Schauen. Ein Garten, der nährt mit seinem Obst und Gemüse und würzige Kräuter parat hält. Hecken und Bäume bieten Schatten während weite Rasenflächen dem Licht Raum geben. So ein Garten ist fast paradiesisch. Im Grunde umfasst das die Idee des Klostergartens. Dass er sich innerhalb der Klostermauern befindet, versteht sich fast von selbst. Wenn ihn dann aber kein Tor verschliesst, ist er eine Einladung an die Menschen, ihn zu besuchen, sich mit allen Sinnen an ihm zu erfreuen.





So richtig hatte ich die mahnenden Worte des Priors nicht verstanden. Sicher ist, ein Garten ist kein Kontinuum. Mal ist es das Wetter, was den Pflanzen und Gärtnern zu schaffen macht. Oder es sind die Gärtner, die sich mit anderen Dingen beschäftigen müssen und gezwungener massen die Rabatten und Beete ihren eigenen Regeln überlassen. Dann spriessen die Unkräuter ein wenig höher und breiter. Die Schnecken haben freie Bahn. Ein wenig wuchernde Wildnis stellt sich ein. Die Rosen aber, sie beenden nicht ihr Blühen. Nur weil nicht alles perfekt ist, hört ein Garten nicht auf mit all seinen Facetten schön zu sein. So ist das auch mit Klostergärten!



Internet-Adresse und Anreise:
Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Abtei ist nicht möglich. Es gibt keine Busverbindung. Der nächstgelegene Bahnhof Bayeux ist rund 9 km entfernt. Empfehlenswert ist die Anfahrt mit dem Fahrrad und die Benutzung der ausgeschilderten Routen auf verkehrsarmen Strassen.
If you see this after your page is loaded completely, leafletJS files are missing.